Alles, was ich brauche

Die Dinge, die du besitzt, besitzen irgendwann dich, heißt es im Film „Fight Club“. Unser Autor hielt das lange für Quatsch. Dann zog er um, verkaufte sein Auto und eine Menge anderen Kram – und merkte, dass jetzt vieles leichter ist. Warum besitzen wir so viele Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen?

Alles, was ich brauche

Dann bis morgen, sagt der Fahrer, schlägt die Tür zum Laderaum zu und steigt ­hinters Steuer. München, noch früh am Morgen, über eine Stunde haben zwei Umzugshelfer und ich damit verbracht, alles, was ich besitze, in einen Laster zu packen: Schrank, Bett, Sofa, Wäschetruhe, Vertiko, einen kleinen Schreibtisch, Lampen, Geschirr, 15 Regalmeter Bücher, ­Magazine, Kla­motten, ein Klavier. Eine Woche hat es ge­dauert, das alles zu sortieren und einzupacken, dazu der Kleinkram aus dem Keller, „Fahrrad nicht vergessen!“, ruft ein Nachbar, als er sich verabschiedet.

Der Laster biegt um die Ecke, ich laufe durch die Altbauwohnung, in der ich die vergangenen Jahre verbracht habe, die Sonne spiegelt sich auf dem Parkett. Irre, wie groß die Wohnung auf einmal ist. Alles ist weg. Alles ­außer einer Tasche mit einer Hose, zwei T-Shirts, einem Waschbeutel und zwei Büchern für die Zugfahrt. Über alles andere habe ich soeben die ­Kontrolle verloren – die Dinge, die mein Leben ausmachen, rollen ­gerade auf die A9, zu­mindest vermute ich das, ich ­habe nur die Handynummer des Fahrers und seine Zu­sicherung, dass er am nächsten Morgen um 8 Uhr vor der Haustür an der verabredeten Adresse in Hamburg steht. Bis dahin: nur ich und eine Tasche mit dem Nötigsten. Ein unbeschreibliches Gefühl, unbeschreiblich gut.

Seit ein paar Jahren lernen dieses Gefühl immer mehr ­Leute kennen, viele haben Sehnsucht danach, einige sind beinahe süchtig. Und hätte ich geahnt, dass ich den ­Regeln des Minimalismus folgte, als ich in den Monaten vor dem Umzug beschloss, mein Auto zu verkaufen, weil es mich eher beschwerte als beschleunigte, die Wohnzimmerlampe loszuwerden, die ich nur besaß, weil es sich irgendwie so ergeben hatte, meine alten Jeans zu spenden, die ich aufgehoben hatte, falls ich unerwartet extrem stark zu- oder abnehmen würde, und auch die Pastateller in ­meiner Küche – dann hätte ich die Finger davon gelassen. Minimalismus, das klang für mich angestrengt und ego­istisch, nach freiwilligem Nomadentum, einer falschen, ­unterkühlten Art von Coolness und diesem Zitat aus dem Film „Fight Club“: „Die Dinge, die du besitzt, besitzen irgendwann dich“. Was nicht mehr passt, fliegt raus, und zwar nicht nur Dinge, sondern auch Menschen, einfach nur weil man kann – das klang für mich nicht besonders nett. Ist es auch nicht. Es hat aber, und davon ahnte ich lange nichts, auch mit Minimalismus nichts zu tun. (...)

 

Die ganze Geschichte lesen Sie in CORD No2, das am 23. Januar 2018 erscheint.